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Mit dem OffRoad Zelt-Anhänger
durch Island

Im Juli 2008 war Julian Nocke, der Gründer der Firma 3DOG camping, mit unserem ersten OffRoader Prototypen in Island. Hauptziel dieser Reise war es, den neu entwickelten Zelt-Anhänger für extreme Geländetouren dort zu testen, wo er hingehört: in der Wildnis.

Über seine Eindrücke und Erfahrungen auf der traumhaften Insel im Nordmeer hat er in einem Reisebericht geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!


Unterwegs mit dem OffRoader durch
mystische Landschaften jenseits des Asphalts

Heiße Quellen, Schwefelfelder, Trolle und Elfen,
Vulkanlandschaften und kochende Erde – vieles, was ich von Island gehört hatte, klang etwas entrückt, irgendwie aus einer anderen Welt. Schon immer hatten mich Berichte über diese nordische Insel gereizt und mir war klar, dass ich die Wunder dieser urtümlichen Landschaft eines Tages kennenlernen musste.

Goðafoss

2008 bot sich endlich die Gelegenheit, denn dieses Ziel lag nahe, als wir nach einer Möglichkeit suchten, unser neues OffRoad Equipment so richtig auf Herz und Nieren zu testen.

Südostküste Lónsvík – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Wir kommen am 18. Juni auf Island an.
Wir, das sind vier Freunde, ein Landrover mit Autodach-Zelt und ein OffRoad Zelt-Anhänger von 3DOG camping. Anders als Flugzeug-Touristen landen Fährfahrer nicht in der Hauptstadt Reykjavík im Westen der Insel, sondern direkt an der dünn besiedelten Ostküste, in der Hafenstadt Seyðisfjörður. Der Zeitpunkt ist günstig: Unsere Reise startet zum Ende der Frühjahrsschmelze, kurz vor der Sommersonnenwende.

Da es auch nachts hell ist, können wir uns während der ganzen Reise bis spät in die Nacht Zeit lassen, um einen Lagerplatz zu suchen und unser Camp aufzuschlagen. Die Sonne taucht für nur ein bis zwei Stunden kurz hinter den Horizont, Zeitdruck gibt es für uns nicht.

3DOG camping Autodach-Zelt und OffRoad Zelt-Anhänger auf der 939 – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Die Temperaturen bewegen sich im Juni zwischen zehn und zwanzig Grad – hatte man uns gesagt ... Die Realität sieht etwas anders aus und sie fühlt sich auch anders an. Als wir nach Verlassen der Fähre die Serpentinen hoch zum Pass von Seyðisfjörður nach Egilsstaðir fahren, trauen wir unseren Augen nicht. Heftigstes Schneegestöber verschluckt uns geradezu und lässt uns zweifeln, ob wir wirklich in unserem Sommerurlaub angekommen sind.

So war das nicht geplant!

Apropos Plan: Wir hatten uns ganz bewusst keine genaue Reiseroute zurecht gelegt, denn wir wollten uns von dem, was uns erwartet, treiben lassen. Nur ganz grob hatten wir uns darauf geeinigt, zunächst entlang der Ringstraße nach Norden zu fahren, um dann der östlichen Route durchs Hochland folgend quer durchs Landesinnere an die Westküste zu reisen. Von dort sollte es hoch in Richtung Westfjorde gehen, durchs westliche Hochland zur Südküste und den Vatnajökull umrundend zurück zur Fähre. Im Nachhinein betrachtet wurde dieser Plan fast genau auf den Kopf gestellt, man muss flexibel sein, hier bestimmt sehr häufig die Natur, wo es lang geht.

Lónsöræfi Nature Reserve
1 Uhr, Mittsommernacht in Höfn – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Das schwere Schneegestöber und die allgemein schlechten Wetterbedingungen, die uns nun auf Island begrüßen, durchkreuzen unsere Überlegungen, zunächst nach Mývatn zu fahren. Der Großteil der Routen durchs Landesinnere ist noch unpassierbar und für den Norden sind schwere Unwetter vorhergesagt, berichtet man uns in der Touristinformation von Egilsstaðir. Unter den Neuankömmlingen im Land der Trolle herrscht kollektive Ratlosigkeit, und so schwenken wir schließlich um auf die Ringstraße in Richtung Süden. Auf der Fahrt entlang der Küste werden wir für diese Spontaneität durch eine atemberaubende Szenerie belohnt.

Die Berge leuchten in den vielen Farben der geologischen Strukturen, Flechten und Moose und hinter jeder Biegung, jeder Kuppe, über die wir kommen, erwartet uns ein neuer reizvoller Anblick. Wir lassen uns Zeit und fahren auf der gesamten Reise pro Tag nicht allzu weit, sondern gönnen es uns, kleine Abstecher zu machen, wenn eine Seitenstraße oder die schotterige Zufahrt in ein kleines Tal unsere Neugier weckt. Oft lassen wir das Fahrzeug stehen, um die nähere Umgebung zu erkunden.

Gletschersee Jökulsárlón – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Europas größter Gletscher kalbt

Die Reise führt uns südlich vorbei am Vatnajökull, dem flächenmäßig zweitgrößten Gletscher Europas nach dem Austfonna in Spitzbergen. Mit 8.456 Quadratkilometern ist er mehr als doppelt so groß wie alle Alpengletscher zusammen. Schon von ferne glitzert die gigantische Eiskappe in der Sonne. Sein Panzer ist bis zu einem Kilometer dick, was ihn vom Volumen an die Spitze der europäischen Gletscher stellt. Leider macht sich auch hier der Klimawandel bemerkbar: In den letzten 100 Jahren hat er ein Zehntel seines Volumens eingebüßt.

„Eisvögel“ – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Zur Schneeschmelze im Frühjahr werden aus dem Tauwasser reißende Ströme und über die Straßen führen plötzlich reißende Flüsse. Selbst große Teile der Ringstraße werden um diese Jahreszeit unpassierbar oder sogar zerstört. Dass sie ihre Straßen alle Jahre wieder neu aufbauen müssen, daran sind die Isländer gewöhnt.

Jetzt im Juni ist die Ringstraße allerdings bereits wieder befahrbar und wir erkundigen uns jeden Tag nach den sich ständig ändernden Bedingungen der Pisten im Inland. Dort wird durch die jährliche Schneeschmelze erheblicher Schaden angerichtet und auch während der Sommermonate müssen die OffRoad-Strecken häufig neu bearbeitet werden, damit sie überhaupt passierbar sind. Über die Website der staatlichen Straßenverwaltung können wir jederzeit eine aktuelle Zustandsbeschreibung aller Straßen abfragen.

Gletscherzunge des Vatnajökull – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Wir machen einen Abstecher in ein inzwischen weitgehend trockenes Gletscherflussbett. Nach stundenlanger Fahrt über schroffe Geröllfelder halten wir am Ende eines Seitentales für eine Weile vor dem Schmelzsee einer gigantischen Gletscherzunge, kochen uns einen Kaffee und genießen das Panorama der Eislandschaft, die in der Sonne glitzert. In der Ferne hören wir schwere Eisblöcke wegbrechen.

Große Eisbrocken treiben durch das von der Moräne trübbraune Wasser. Wir beschließen, das Gebiet zu Fuß zu erkunden und den Gletscher von oben zu betrachten. Die Weite und Einsamkeit des Landes hat einen ganz besonderen Reiz und die Blicke auf diesen gewaltigen Eispanzer, die uns nach jeder Biegung und Bergkuppe erwarten, sind überwältigend. Diese erste kleine Wanderung hat unseren Hunger auf die Geländestrecken des Hochlandes neu geschürt.

Lónsöræfi Nature Reserve
von Skaftafell in die Weite – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Zu den warmen Quellen
der Menschen aus Land

Um so mehr freuen wir uns, als wir endlich im Süden Islands wieder von der Ringstraße abbiegen, um das erste große Ziel im Inland anzusteuern. Wir wollen über die Ostroute nach Landmannalaugar, einer der eindruckvollsten Landschaften im Fjallabak Nature Reserve. Doch schon der Weg dorthin erweist sich als beeindruckendes Erlebnis. Diese Route ist offiziell noch immer nicht freigegeben, aber wir haben von Einheimischen erfahren, dass sie mit etwas Geschick bereits befahrbar sein soll. Sie wird nur von wenigen gewählt, da sie extreme Anforderungen an das Fahrzeug und die Nerven seiner Insassen stellt. Doch wir waren ja nicht zuletzt gekommen, um unseren OffRoad-Anhänger zu testen und so checken wir alles noch einmal und füllen die Reserven auf, bevor wir starten.

zum Ófærufoss – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Die Strecke ist wesentlich rauer, als wir erwartet hatten. Der Isländer, der uns so optimistisch auf die Reise geschickt hatte, ist offensichtlich weitaus extremere Bedingungen gewohnt, wenn er das hier als gut passierbar bezeichnet. So wird auf der Fahrt niemand geschont, wir furten einen Fluss nach dem anderen und müssen viele Passagen zunächst zu Fuß durchlaufen, da weder die Beschaffenheit des Grundes noch Fahrspuren von vorherigen Fahrzeugen sichtbar sind.

eine von vielen Furten – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Als wir das erste Mal bis über die Motorhaube im Wasser stecken, bin ich froh, dass der Einbau des Schnorchels an unserem Landy doch noch kurzfristig geklappt hatte. Wir lassen das Gespann kilometerweise über schroffe Pisten klettern, bis wir völlig durchgeschüttelt sind. Sowohl unser Landy als auch der OffRoad-Anhänger machen alles problemlos mit und die strapazierten Mitreisenden werden entlohnt durch eine traumhafte Szenerie.

Doch je höher wir ins Gebirge kommen, desto schlechter wird das Wetter und plötzlich finden wir uns inmitten eines wilden Schneetreibens wieder, so dass wir die Fahrspuren kaum noch ausmachen können. Schließlich halten wir an und beratschlagen, ob es überhaupt noch Sinn macht, unter solchen Umständen weiter ins Landesinnere vorzudringen.

Wir sind müde von der anstrengenden Fahrt und so beschließen wir, nur noch eine halbe Stunde weiterzufahren, bevor wir umkehren und einen Lagerplatz suchen. Doch plötzlich scheinen wir den Scheitel eines Passes erreicht zu haben, schlagartig reißt der Nebel auf und gibt den Blick frei auf die bizarren Bergkämme einer Vulkanlandschaft. Mit Begeisterung fiebern wir nun wieder den Überraschungen hinter jeder Wegbiegung entgegen, setzen unseren Weg fort und erreichen schließlich Landmannalaugar.

auf dem Weg nach Landmannalaugar
bunte Berge in Landmannalaugar – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Wanderung auf dem Drachenrücken

Markantes und äußerst fotogenes Merkmal dieser Landschaft sind die bunten Bergzüge, die nicht einem Pflanzenbewuchs, sondern unterschiedlichen geologischen Besonderheiten, Ascheströmen und Moosen ihre Farbenpracht verdanken. Hier bleiben wir ein paar Tage und lassen uns nicht einmal von nächtlichen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt abschrecken.

schlafende Drachen? – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Wir richten uns gemütlich in unseren Zelten ein und unternehmen von hier aus Wanderungen und Tagesausflüge. Die atemberaubenden, urweltartigen Gesteinsformationen der Vulkane des Torfajökull erinnern an die Rücken riesiger Drachen. Sie lassen vermuten, dass die Erde genau an diesem Fleck entstanden sein muss. Das Spektrum der Erdfarben reicht von Schwarz über vielfältige Ockertöne bis hin zu einem nahezu unwirklichen Grün und Blau und dem Weiß der schneebedeckten Gipfel. In den noch aktiven Vulkanzonen dampfen Solfatare und an einigen Stellen ist der Boden spürbar warm.

Bier hoch halten, sonst wird’s warm! – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Wie an vielen Orten in Island gibt es nahe dem Campground heiße Quellen, die bei den eisigen Außentemperaturen sehr verlockend zum Baden einladen.

Geselligkeit in heißen Quellen – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Jedoch sind die Wassertemperaturen durchaus unterschiedlich: Durch das nur wenige Grad warme Wasser am Einstieg zieht es uns schnell hin zum Zulauf der Quellen. Zu nah darf man hier jedoch auch nicht kommen, um sich nicht zu verbrühen. So sammeln sich schließlich alle Badenden auf den wenigen Quadratmetern mit angenehmer Zwischentemperatur – eine sehr ungewöhnliche und lustige Art, wildfremde Menschen kennenzulernen.

Schweren Herzens trennen wir uns nach ein paar Tagen von dieser farbenprächtigen Landschaft, doch es gibt ja noch so viel mehr zu sehen …

Wanderung in Landmannalaugar
Benefiz-Konzert – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Reykjavík,
kleine Hauptstadt, großes Konzert

Weiter geht es nun Richtung Hauptstadt. Wir haben bei einem nächtlichen Bad in den heißen Quellen von einer Isländerin erfahren, dass Björk und Sigur Rós ein kostenloses Konzert geben werden, um auf die kommerzielle Ausbeutung ihrer heimatlichen Landschaft aufmerksam zu machen. Die Isländer nutzen die Energiequellen ihres Landes schon lange, Reykjavík wird bereits seit den 40er Jahren mit geothermaler Energie versorgt, selbst Gehwege und Straßen werden mit heißem Wasser beheizt.

Konzertbesucher – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Die günstige Energie hat allerdings leider auch dazu geführt, dass mächtige Industriezweige gerade jene Landstriche zu besetzen versuchen, wegen derer Reisende wie wir so weit gekommen sind. Für diese einzigartige Natur setzten viele Isländer wie diese Musiker sich ein. Einige der heute so bekannten Sehenswürdigkeiten wie beispielsweise der Gulfoss sind nur unversehrt geblieben, weil engagierte Landsleute sich den großen Unternehmen entgegen gestellt haben.

einer der weniger beachteten Wasserfälle – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Ein kostenloses Konzert solch hochkarätiger Künstler würde bei uns zuhause chaosartige Zustände hervorrufen. Hier in Island geht alles mit einer solchen Gelassenheit zu, dass nicht einmal große Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Das Konzert findet einfach auf einer großen Wiese im botanischen Garten statt und es herrscht eine sehr schöne und entspannte Atmosphäre.

Es ist interessant, für ein paar Tage auch die für unsere europäischen Verhältnisse eher ruhige Hauptstadt dieser sonst so wilden Insel kennenzulernen. Island ist weitgehend menschenleer – bei drei Einwohnern pro Quadratkilometer begegnet man gerade im Inland relativ wenigen Einheimischen. Hier im Südwesten in der Metropolregion Reykjavík jedoch leben zwei Drittel der ca. 320.000 Isländer.

Es ist also für uns ein spürbarer Kontrast nach den Tagen im Hochland. Ursprünglich wollten wir uns von den kommerziellen Touristenzielen fern halten, doch spätestens der Besuch in der berühmten Blauen Lagune belehrt uns eines Besseren. Nach den vielen holprigen OffRoad-Strecken und der ganzen Zeit im launigen Wetter gönnen wir uns einen Tag der Entspannung und genießen die wohltuende Wärme des durch Kieselsäure blau gefärbten Wassers.

Blaue Lagune

Aufbruch zum Mittelpunkt der Erde:
Snæfellsjökull

Aber wir sind froh, als wir endlich wieder unterwegs sind, uns kaum noch Autos entgegenkommen und die Straßen immer schlechter werden. Wir brechen Richtung Norden auf zur Halbinsel Snæfellsnes und wieder kleben unsere Nasen an den Fenstern; wir können uns an diesen beeindruckenden Küsten, den schroffen Bergen und der seltsamen Vegetation einfach nicht satt sehen.

Arnarstapi, Snæfellsnes – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Bei der Umrundung des Snæfellsjökull kurz vor Ólafsvík ist plötzlich die gesamte Flanke des Tafelvulkans unterhalb des Gletschers blau gefärbt. Eine riesige Fläche von mannshohen, blühenden Lupinen erweckt den Eindruck, als ergieße sich der Gletscher ins Tal.

Gullfoss – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Leider spielt das Wetter wieder einmal nicht mit. Da man uns für den Nordwesten heftige Stürme vorhersagt, beschließen wir, nicht wie geplant weiter zu den Westfjorden zu fahren, sondern wählen eine sehr unwegige Strecke quer durchs Inland zu den wohl bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes: Stóri Geysir und Strokkur, die beiden größten Springquellen, und Gullfoss, einer der bekanntesten Wasserfälle.

Frühstück vorm TrailDog – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Doch leider holt uns auch hier das Wetter ein und bei der nächsten Übernachtung wird unser Camp von solch gewaltigen Stürmen heimgesucht, dass wir Angst um unser Equipment haben. Doch die Zelte trotzen allen Angriffen der Natur. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, können wir bei herrlichstem Sonnenschein draußen frühstücken. Die Kontraste sind es, die Island so überwältigend machen – auch die des Wetters.

Empfang in Mývatn – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Wir sind nun wieder auf dem Weg gen Norden. Vom Gullfoss haben wir die Westroute durch das Hochland eingeschlagen und fahren nun durch die endlosen Geröllfelder einer mondartigen Landschaft, bis wir in die grünen Täler der Nordküste gelangen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Hafenstadt Akureyri machen wir uns auf den Weg zum Mývatn. Man sagt von der Landschaft, die diesen See umgibt, sie biete eine komprimierte Essenz all dessen, was Island so besonders macht. So weit würde ich nicht gehen, aber tatsächlich stellt es sich als eine sehr reizvolle, höchst interessante Gegend heraus. Hier verbringen wir die letzten Tage unserer Reise und inzwischen stellt sich ein leichter Abschiedsblues ein.

Jökulsá á Fjöllum und Hafragilsfoss – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Doch noch sind wir ja hier und unternehmen viele Tagesausflüge in die Umgebung des Mývatn. Nach ein paar Wochen in Island hat man so viele Wasserfälle gesehen, dass die anfängliche Euphorie etwas dezenter geworden ist. Doch als wir den Fluss Jökulsá á Fjöllum erreichen, verschlägt es uns den Atem. Schon der Blick von oben in die Schlucht und auf den Hafragilsfoss ist beeindruckend und bei der Wanderung zum Dettifoss und weiter zum Selfoss spürt man die ganze Wucht der entfesselten Wassermassen geradezu körperlich.

Der Tag hatte grau und fürchterlich regnerisch begonnen, so dass wir zunächst keinerlei Lust verspürten, unsere Zelte zu verlassen, und schließlich eher missmutig ins Auto stiegen – getrieben von der Gewissheit, dass wir diese Welt mit ihren Urgewalten in zwei Tagen bereits verlassen sollten. Dass gerade hier der Himmel aufriss und diese herrliche Landschaft in kristallklares Licht hüllte, machte das Erlebnis umso eindrucksvoller.

Dettifoss, energiereichster Wasserfall Europas

Beeindruckend an Island sind vor allem die großen Kontraste – der schnelle Wechsel von Landschaft, Licht und Wetter. Gerade noch ist man durch die anthrazitfarbenen Gebilde aus Vulkangestein gefahren, deren schroffe Kanten mit einem Polster aus leuchtend grünem Moos gedeckt sind; dann nach nur einer Biegung steht man vor den in der Sonne glitzernden Eisspitzen eines Gletschersees. Oft genügt eine Drehung um 360 Grad, um die gesamte Bandbreite der meteorologischen Vielfalt zu erleben. Nicht zuletzt aber sind es die entfesselten Naturgewalten, die uns hier beeindruckt haben. Man spürt geradezu, wie jung und ungebändigt die Welt hier auf dieser nordischen Insel noch ist.

Warten auf die Fähre – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Es ist seltsam,

beim Warten auf die Fähre all die Fahrzeuge vom Schiff fahren zu sehen, denn wir wissen, was für eine großartige Zeit und welch tiefe Eindrücke jene erwarten, die dort gerade erst am Anfang ihrer Reise stehen. Doch all das, was wir erlebt haben, die Bilder, die noch so frisch durch unsere Gedanken ziehen, werden uns noch lange begleiten. Wir sind uns einig, dass wir nicht zum letzten Mal hier in Island sind.

Viel Spaß in Island,
Julian ...


Text: Julian Nocke
Bilder: Meikel Steiding, Julian Nocke


Allradler 4/09
Allradler 4/09 – mit Reisebericht von Julian Nocke

Dieser Reisebericht ist im Allradler 4/09 erschienen. Ihr könnt das Heft über www.allradler.com bestellen.

 

Eis im Gletschersee Jökulsárlón
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