Familie eingepackt und ab dafür ... Guido Santner hat’s getan und ist mit Frau und Kindern und Ihrem 3DOG camping Gespann durch Australiens Westen gereist.

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Ein halbes Jahr
Auszeit in Australien

Wir campen 30 Meter vom Strand – am Bottle Bay im Francois Peron Nationalpark in Westaustralien.

Bottle Bay Beach – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Es ist April 2014, eine angenehme Herbstwoche mit Temperaturen zwischen 30 und 35°C. Auch das Meer ist angenehm warm. Ab und zu sieht man Delphine vorbeischwimmen, den einen oder anderen Stachelrochen oder auch einen Hai.

Neben uns campen ein paar wenige Australier, die wie wir die Natur genießen oder fischen – der Nationalsport der Australier. Dass es nicht mehr Leute sind, liegt daran, dass die nächste geteerte Straße nur über einen 40 Kilometer langen, sandigen Offroad-Track erreichbar ist.

Knapp ein halbes Jahr reisten wir von Februar bis Ende Juli 2014 durch Westaustralien.

TrailDog im Container – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Die konkreten Vorbereitungen begannen mehr als ein Jahr zuvor. Von Anfang an war klar, dass wir unseren 15 Jahre alten Landrover nach Australien verschiffen. Da wir mit zwei Kindern reisen, reichte uns der Platz im Auto allerdings nicht mehr und wir sahen uns nach einem Offroad-Zeltanhänger um, wie er in Australien verbreitet ist. Zuerst wollten wir einen vor Ort kaufen und ihn nach der Reise wieder verkaufen. Die Auswahl ist groß. Allerdings sind selbst Occasionen noch teuer – ein guter Campinganhänger kostet gebraucht mindestens 20.000 australische Dollar. Kommt hinzu, dass die Anhängerkupplung oft nicht passt oder es einen Anschluss für die elektronischen Bremsen des Anhängers braucht. Wir hätten also unser Auto anpassen müssen.

So kam uns gelegen, dass wir im Internet die Anhänger von 3DOG camping entdeckten. Statt eines 20-Fuss-Containers brauchten wir nun zwar einen 40-Fuss-Container zum Verschiffen, aber das macht nicht gar so viel aus. Der Preis stieg nicht ums Doppelte, sondern nur um rund 40%. Ende Dezember schickten wir unseren Container in Basel ab und nahmen Mitte Februar unser Auto und den Campinganhänger in Perth in Empfang. Wir brachen der Küste entlang Richtung Süden auf.

Camping Black Point – für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

Einsame Sandpisten

Gut ausgerüstet mit detaillierten Karten lotst uns Nina über verlassene 4WD-Tracks. Die Piste Richtung Black Point im D’Entrcasteaux Nationalpark wird immer schmaler und sandiger. Bald stoppe ich, um Luft aus den Pneus abzulassen. Nun geht es wieder besser. Doch hoppla, der Track führt jetzt ein Stück bergauf. Mit genügend Schwung reicht es gerade noch – das Australienabenteuer hat begonnen! Auf dem Zeltplatz sehe ich, dass ich den Kühlschrank im hinteren Teil des Anhängers festzurren muss. Die Stange hält zwar alle Kisten und den Kühlschrank vom Küchenmodul weg, der Kühlschrank springt aber bis zur Decke. Ab jetzt wird er auf Offroad-Strecken mit dem Spannset festgezurrt.

Wir werden mit einem schönen Busch-Camping belohnt, auf dem wir die Woche durch ganz alleine sind. Zwei Ranger, die auf dem Camping ein neues WC bauen, besuchen uns täglich und trinken mit uns Kaffee. Die Arbeitswelt ist hier im Westen Australiens deutlich entschleunigt im Vergleich zur Schweiz …

Wir nehmen jeweils für rund eine Woche Lebensmittel und Wasser mit. Da die Temperaturen um 30°C liegen, haben wir einen Kühlschrank. Der Strom kommt aus einer zusätzlich installierten Batterie im Anhänger, die sich über ein Solarpanel laden lässt. Die zwei 50-Watt-Panel reichen locker, um den Kühlschrank zu speisen. Daneben laden wir die Batterien des Laptops und weiterer Elektronik-Gadgets (Details zur Elektroinstallation unter www.santner.ch).

Fischen

Wir lernen Fischen

Es ist nun Mitte März 2014 und das Wetter im Süden von Westaustralien wird langsam kälter. So reisen wir weiter bis nach Esperance, zum Strand von Lucky Bay. Das Wasser ist hier türkisblau und lädt zum Schnorcheln ein. Wir lernen zudem Fischen. Nachdem ich einem Nachbarn geholfen habe, sein Solarpanel zu flicken, nimmt er uns mit zum Fischen. Es stellt sich heraus, dass er früher einen Fischerladen hatte. In einer halben Stunde haben wir genug australischen Hering gefangen, dass es für ein Nachtessen reicht.

Nach Lucky Bay fahren wir Richtung Norden, machen eine grosse Schlaufe über Kalgoorlie mit der riesigen Goldmine und fahren zurück an die Küste, der wir nun weiter nach Norden folgen. Nach den zwei Wochen am erwähnten Strand vom Bottle Bay wollen wir eigentlich weiter ans Ningaloo Reef. Dann trifft uns der Ausläufer eines Zyklons. Zuerst windet es nur stark, was uns nicht weiter beunruhigt. Am Abend beginnt es zu Regnen. Ich koche gerade das Nachtessen, während der Regen immer stärker wird. Ich werde klatschnass, obwohl ich in der Küchennische unter dem Dach stehe. Nina schliesst das Fenster beim Bett zur Küchennische hin – er regnet horizontal hinein.

Ein Zyklon spült Zeltplätze weg

Bei uns dauert der Regen knapp zwei Stunden. Den Cape Range Nationalpark am Ningaloo Reef hat es allerdings stärker getroffen. Es regnete die ganze Nacht. Das Wasser versickert in Australien nicht im Humus, sondern sammelt sich auf dem trockenen Boden und schwemmt alles weg. Von den zwölf Zeltplätzen im Nationalpark sind nur noch fünf bewohnbar. Und da nochmals ein Zyklon vorausgesagt ist, warten wir erst mal weiter südlich. Dieses Mal sind wir vorbereitet. Ich stelle das Auto als Windschutz vor das Zelt. In der Nacht windet es so stark, dass der Anhänger schüttelt wie auf einer Offroad-Piste. Nina wechselt ins Bett zu den Kindern am Boden. Ich kontrolliere ab und zu, ob noch alle Heringe im Boden stecken. Aber das Zelt hält.

Die übrig gebliebenen Zeltplätze Cape Range Nationalpark sind nun völlig überbucht. Wir fahren deshalb zum privaten Ningaloo Homestead, das südlich an den Nationalpark grenzt. Und wir bekommen einen Platz direkt am Strand! Die ersten Korallen liegen vielleicht 30 Meter entfernt im Wasser – der nächste Nachbar campiert rund 60 Meter weiter den Strand hinunter. Nur die Strasse ist ziemlich übel. Die Australier sprechen von Corrugations. Die Strasse sieht aus wie ein Wellblech. Normalerweise sind diese regelmässigen Vertiefungen wenige Zentimeter tief. Zwar etwas lästig, aber nicht wirklich schlimm. Hier sind die Täler 10 cm tief! Irgendwann sehe ich im Rückspiegel, dass die Ersatzkanister am Anhänger schief in den Zurrgurten hängen. Die Gurte haben sich gelockert, obwohl ich sie fest angezogen hatte. Das Stützrad hat sich ebenfalls von alleine gelöst und langsam nach unten gekurbelt. Von nun an sichere ich es immer mit einem Gummizug.



Schon vorher hatte ich bemerkt, dass sich die Schrauben der hinteren Stützen am Anhänger lockerten. Es stellte sich heraus, dass sich nicht die Mutter lockerten, sondern dass sich die Schraube auf der anderen Seite ins Holz frass. Ich zog die Muttern an und brachte zur Sicherheit mit einem wasserfesten Filzstift bei jeder Mutter einen Strich an. Die Muttern bewegten sich danach keinen Millimeter. Es hält also alles nach einem ersten Nachziehen der Muttern.

Ebenso hat sich die Kugelkupplung bewährt in Australien. Vor der Reise überlegten wir uns, ob eine Nato-Öse nötig sei. Aber die Kugelkupplung hielt auch auf deftigen Offroad-Pisten. Nur den Klappmechanismus des Stützrads mussten wir ab und zu mit Bremsenreiniger und WD40 behandeln, wenn er beim Hochfahren wegen dem Staub klemmte.

Wir schnorcheln über die Korallen

Der ganzen Küste am Ningaloo Reef entlang findet man die Korallen meist schon nach den ersten 10 oder 20 Metern im Wasser. Um die Korallen herum schwimmen bunte Fische. Auch Seeigel und Muscheln, die sich zusammenziehen, wenn man näher kommt, lassen sich beobachten. Das Wasser ist hier angenehm ruhig: Ein vorgelagertes Riff rund 200 Meter weiter aussen bricht die grossen Wellen. Die Strömung läuft parallel zum Ufer, man kann sich also über die Korallen treiben lassen beim Schnorcheln. Leider weht der Wind während unseres Aufenthalts recht stark. Mit den Kindern können wir nicht weit hinausschwimmen, ohne dass es uns allzu weit abtreibt.

Beim Morgenessen windet es uns die Cornflakes vom Löffel und auch das Kochen wird schwierig, obwohl wir das Zelt so aufgestellt haben, dass die Küche im Windschatten liegt. Das erste Mal montieren wir sogar die Plane unterhalb des Anhängers, die zum Küchenerker gehört.

Nach rund drei Monaten ist zudem der linke Gasbrenner verrust – die Flamme ist nicht mehr blau, sondern gelb. Entsprechend schwarz sieht die Pfanne nach dem Kochen aus. Zum Glück habe ich einen Torx-Aufsatz für den Schraubenzieher dabei und kann den Kopf abnehmen.

Etwas Schmirgelpapier reicht, um den Rost zu entfernen und nun brennt der Herd wieder tip top. Vor dem Anschrauben befestige ich noch den Temperaturfühler des Gasbrenners behelfsmässig mit etwas Draht – die Federscheibe, die den Fühler normalerweise hält, zerfiel regelrecht in Rost.

Nach der Küste fahren wir nun ins Landesinnere, zu den Schluchten vom Karijini Nationalpark. Zuerst finden wir gar keine Schlucht, sondern nur offenes Buschland. Viel stacheliges Spinifex-Gras und zwischendurch mal einen halbhohen Baum. Die Schlucht sieht man erst, wenn man kurz davor steht. Sie ist nicht zwischen zwei Bergen, sondern das Wasser hat sich in den Boden hineingefressen. Das Eisen im Gestein lässt die Wände in der Sonne rot leuchten.

Die Gibb River Road

Weiter im Norden, in den Kimberleys, fahren wir entlang der legendären Gibb River Road. Jeder Australier scheint diese 650 km lange Offroad-Strecke einmal fahren zu wollen. Die Strasse ist meist gar nicht so übel. Oft fahren wir mit 70 km/h über die Piste. Die Sehenswürdigkeiten liegen links und rechts von der Hauptroute. Besonders angetan waren wir vom Charnley River Homestead. Der Camping ist noch nicht so bekannt und deshalb noch nicht so von Touristen überrannt. Wir erkunden die Schluchten in der Nähe. Wobei hier in der Nähe heisst, dass wir zuerst 30 km über schmale Feldwege fahren. In den Schluchten sind wir alleine und haben das Gefühl, die Natur selber zu entdecken.

Entlang der Gibb River Road beobachten wir häufig, wie andere Pneus wechseln. Plattfüsse sind alltäglich. Eine Familie, die wir kennengelernt haben, muss bei den Mitchel Falls die Stossdämpfer am Anhänger auswechseln (sie lassen sie mit dem Helikopter einfliegen) und einem Australier mit einem älteren Rangerover geben wir unsere Ersatzdieselpumpe, weil er mitten an der Kreuzung zum Drysdale River stehen geblieben ist. Die Offroadpisten Australiens haben es in sich. Nicht, weil man oft stecken bleiben würde, aber die Vibrationen quälen das Fahrwerk. Jede Stunde halte ich an, um zu schauen, ob noch alles hält – und dann hat sich prompt die Gasflasche auf dem Dachträger gelöst.

Nach den Kimberleys fahren wir zum Purnululu Nationalpark und dem Wolfe Creek Crater. Der Meteoritenkrater ist eindrücklich. Es hat nur wenig Besucher. Es scheint, dass niemand den Krater besuchen will, der den gleichnamigen Horrorfilm gesehen hat …

Im Kadadu-Nationalpark bestaunen wir die Felsmalereien und beginnen die Kultur der Aborigines zumindest ein bisschen zu verstehen. Je näher wir nach Darwin kommen, desto zahlreicher werden nun die Touristen. Die Strassen sind wieder geteert und die Campingplätze haben Duschen mit warmem Wasser. Nach 5,5 Monaten schicken wir von Darwin aus unser Auto und den Zeltanhänger wieder zurück in die Schweiz – nach 13‘000 Kilometern unter den Rädern, 2500 davon auf Offroadpisten. Der Landrover und der 3Dog-Anhänger haben sich wunderbar gehalten. Wir hatten keine einzige ernsthafte Panne. Und Nina fragt mich jetzt schon: Wann gehen wir wieder mal nach Australien?

Guido Santner


P.S.: Weitere Bilder und Infos zum Verschiffen: www.santner.ch


Australian Camp
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